Vitamin D: Das Sonnenvitamin
Vitamin D ist streng genommen kein Vitamin, sondern ein Prohormon. Der Körper kann es selbst herstellen – vorausgesetzt, die Haut bekommt genug UVB-Strahlung ab. In unseren Breitengraden ist das von Oktober bis März praktisch unmöglich: Der Sonnenstand ist zu flach, der UVB-Anteil zu gering. Eine aktuelle Analyse von 308 Studien mit 7,9 Millionen Teilnehmern aus 81 Ländern ergab, dass weltweit fast 48 % der Bevölkerung einen Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/L aufweisen – im Winter sogar 1,7-mal häufiger als im Sommer .
Warum ist Vitamin D so wichtig?
Im Körper wird Vitamin D zunächst in der Leber zu Calcidiol umgewandelt und anschließend in den Nieren zur aktiven Form Calcitriol. In dieser Form reguliert es über 200 Gene und beeinflusst Prozesse in praktisch jedem Gewebe. Die wichtigsten Aufgaben:
Knochen und Kalziumhaushalt: Vitamin D steuert die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung und sorgt für die Mineralisierung der Knochenmatrix. Ohne ausreichend Vitamin D kann der Körper nur 10–15 % des aufgenommenen Kalziums verwerten. Eine Meta-Analyse zeigte, dass die kombinierte Supplementierung von Vitamin D und Kalzium das Risiko für Gesamtfrakturen und Hüftfrakturen signifikant reduziert .
Immunsystem: Immunzellen wie Makrophagen, dendritische Zellen sowie T- und B-Zellen besitzen alle den Vitamin-D-Rezeptor. Die aktive Form von Vitamin D hat eine entzündungshemmende Wirkung, und ein Mangel wird epidemiologisch mit erhöhten Raten von Infektionskrankheiten und Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis in Verbindung gebracht .
Psyche und Stimmung: Vitamin D beeinflusst die Synthese von Serotonin und anderen Neurotransmittern. Eine umfangreiche Meta-Analyse von 41 randomisierten kontrollierten Studien mit über 53.000 Teilnehmern zeigte, dass eine Vitamin-D-Supplementierung ab 2.000 IE pro Tag depressive Symptome signifikant reduzieren kann .
Muskulatur: Eine systematische Übersichtsarbeit von 30 RCTs mit über 5.600 Teilnehmern fand einen signifikanten positiven Effekt von Vitamin D auf die Muskelkraft – besonders ausgeprägt bei Personen mit Vitamin-D-Mangel und bei Menschen über 65 Jahre .
Woran erkennst du einen Mangel?
Ein Vitamin-D-Mangel entwickelt sich schleichend. Typische Anzeichen sind:
- Häufige Infekte und langsame Genesung
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Knochen- und Gelenkschmerzen
- Muskelschwäche oder -krämpfe
- Niedergeschlagenheit, besonders in den Wintermonaten
- Schlafstörungen
Risikogruppen für einen Mangel sind: Menschen mit wenig Sonnenexposition, ältere Personen (die Haut produziert im Alter weniger Vitamin D), Menschen mit dunkler Hautfarbe sowie Personen mit chronischen Darmerkrankungen.
Vitamin D und seine Partner
Vitamin D arbeitet nicht allein. Für die optimale Verwertung braucht es zwei wichtige Partner:
Vitamin K2 sorgt dafür, dass das aufgenommene Kalzium tatsächlich in die Knochen eingebaut wird und sich nicht in den Blutgefäßen ablagert. Ohne K2 kann Vitamin D seine Aufgabe im Kalziumstoffwechsel nicht optimal erfüllen.
Magnesium wird für die Umwandlung von Vitamin D in seine aktive Form benötigt. Ein Magnesiummangel kann dazu führen, dass Vitamin D im Körper nicht richtig aktiviert wird.
Vitamin D über die Nahrung
Nur wenige Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen an Vitamin D:
| Nahrungsmittel | Vitamin D pro 100 g |
|---|---|
| Lebertran | 330 µg |
| Räucheraal | 90 µg |
| Bückling | 29 µg |
| Forelle | 22 µg |
| Lachs | 16 µg |
| Hühnerei | 2,9 µg |
| Gouda 40 % | 1,3 µg |
Da die Ernährung allein den Bedarf selten deckt und die Sonne in unseren Breitengraden mindestens ein halbes Jahr ausfällt, ist eine Supplementierung für viele Menschen sinnvoll – besonders in den Wintermonaten.




