Zink Picolinat: Das Multitalent-Spurenelement
Zink ist an über 300 Enzymreaktionen beteiligt und für die Funktion von mehr als 2.000 Transkriptionsfaktoren nötig. Trotzdem enthält der Körper nur 2-3 Gramm davon – und hat keinen echten Speicher. Das bedeutet: Zink muss regelmäßig über die Nahrung oder Supplementierung zugeführt werden.
Warum Picolinat?
Zinkpicolinat-Dihydrat wird sukzessive resorbiert – also gleichmäßig über einen längeren Zeitraum aufgenommen. Eine doppelblinde Crossover-Studie verglich die Absorption von Zinkpicolinat, Zinkcitrat und Zinkgluconat: Nur Zinkpicolinat führte nach vier Wochen zu einem signifikanten Anstieg der Zinkwerte in Haaren, Urin und Erythrozyten [1]. Plus Vitamin C im synergistischen Verbund.
Was sagt die Wissenschaft?
Immunsystem: Eine Cochrane-Meta-Analyse zeigte, dass die Einnahme von Zink innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn die Dauer einer Erkältung signifikant verkürzt und die Schwere der Symptome reduziert [2].
Infektabwehr: In einer randomisierten Studie mit älteren Erwachsenen führte die tägliche Einnahme von 45 mg Zink über 12 Monate zu einer signifikant niedrigeren Infektionsrate sowie verringerten Entzündungsmarkern und oxidativem Stress [3].
Wundheilung: Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse ergab, dass Zinktherapie die Wundheilung signifikant fördert und zu einer größeren Reduktion der Wundfläche führt [4].
Was Zink alles macht
Die Liste der EU-zugelassenen Aussagen für Zink ist lang: Immunsystem, Haut, Haare, Nägel, Sehkraft, Knochen, Testosteronspiegel, Fruchtbarkeit, Zellteilung, DNA-Synthese, Säure-Basen-Stoffwechsel, kognitive Funktion, Fettsäurestoffwechsel, Vitamin-A-Stoffwechsel, Zellschutz. Kaum ein Spurenelement hat so viele nachgewiesene Funktionen.
Gute Nahrungsquellen: Austern (mit Abstand die beste), Rindfleisch, Kürbiskerne, Linsen. Vegetarier haben oft einen niedrigeren Zinkstatus, weil Phytinsäure in Getreide und Hülsenfrüchten die Aufnahme hemmt.
Wie viel Zink am Tag?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt je nach Phytatzufuhr 11 bis 16 mg täglich für Männer und 7 bis 10 mg für Frauen – wer sich stark pflanzlich ernährt, liegt am oberen Ende. Die EFSA hat für die dauerhafte Gesamtzufuhr aus allen Quellen eine tolerierbare Obergrenze von 25 mg pro Tag festgelegt.
Das ist der Grund, warum die 45 mg aus der Infektstudie [3] kein Alltagsmaßstab sind: Diese Menge wurde über zwölf Monate unter Studienbedingungen gegeben und liegt deutlich über der Obergrenze für die Selbstanwendung. Wer dauerhaft hoch dosiert, riskiert außerdem einen Kupfermangel – Zink und Kupfer konkurrieren im Darm um dieselben Transportwege.
Einordnung
Zwei Einschränkungen zur Studienlage:
- Die Formvergleichs-Studie ist alt und klein. Der Absorptionsvergleich zwischen Picolinat, Citrat und Gluconat [1] stammt aus dem Jahr 1987 und umfasste 15 Personen. Er ist ein Hinweis zugunsten von Picolinat, kein abschließender Beleg – neuere Vergleiche kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen.
- Erkältungen: Timing entscheidet. Der Cochrane-Effekt [2] gilt für die Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn. Eine dauerhafte Einnahme im gesunden Zustand verhindert Erkältungen nicht – Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, mehr sagt die zugelassene Aussage nicht.
Zink wird am besten mit etwas Abstand zu Vollkornmahlzeiten aufgenommen. Wer Antibiotika aus der Tetracyclin- oder Gyrasehemmer-Gruppe einnimmt, sollte einige Stunden Abstand halten, da Zink deren Aufnahme verringert. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine abwechslungsreiche Ernährung und keine ärztliche Behandlung.
Wissenschaftliche Studien
Barrie SA, Wright JV, Pizzorno JE, Kutter E, Barron PC (1987)
“Comparative absorption of zinc picolinate, zinc citrate and zinc gluconate in humans”
Agents and Actions, 1987
Diese doppelblinde Crossover-Studie verglich die Absorption von Zinkpicolinat, Zinkcitrat und Zinkgluconat. Nur Zinkpicolinat führte nach vier Wochen zu einem signifikanten Anstieg der Zinkwerte in Haaren, Urin und Erythrozyten.
Studie ansehenSingh M, Das RR (2013)
“Zinc for the common cold”
Cochrane Database of Systematic Reviews, 2013
Diese Cochrane-Meta-Analyse (16 therapeutische Studien, 1.387 Teilnehmer) zeigte, dass Zink innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn die Erkältungsdauer signifikant verkürzt und die Schwere der Symptome reduziert.
Studie ansehenPrasad AS, Beck FWJ, Bao B, Fitzgerald JT, Snell DC, Steinberg JD, Cardozo LJ (2007)
“Zinc supplementation decreases incidence of infections in the elderly: effect of zinc on generation of cytokines and oxidative stress”
American Journal of Clinical Nutrition, 2007
In dieser randomisierten Studie mit 50 älteren Erwachsenen führte die tägliche Einnahme von 45 mg Zink über 12 Monate zu einer signifikant niedrigeren Infektionsrate sowie verringerten Entzündungsmarkern und oxidativem Stress.
Studie ansehenSong YP, Wang L, Yu HR, Yuan BF, Shen HW, Du L, Cai JY, Chen HL (2020)
“Zinc Therapy Is a Reasonable Choice for Patients With Pressure Injuries: A Systematic Review and Meta-Analysis”
Nutrition in Clinical Practice, 2020
Diese Meta-Analyse von sieben Studien ergab, dass Zinktherapie die Wundheilung signifikant fördert und zu einer größeren Reduktion der Wundfläche führt.
Studie ansehen



