Aloe Vera: Wirkung, Anwendung und was die Forschung sagt

Aloe Vera gehört zu den ältesten bekannten Nutzpflanzen: Schon im alten Ägypten wurde das Gel der fleischigen Blätter für Haut und Verdauung verwendet. Heute steckt die Wüstenpflanze in Cremes, Säften und Gelen. Doch was kann Aloe Vera wirklich - und worauf sollte man bei der Anwendung achten?
Gel und Latex: Zwei sehr unterschiedliche Pflanzenteile
Wer über Aloe Vera spricht, muss zwei Bestandteile auseinanderhalten. Das Blattgel ist das klare, wasserreiche Innere des Blattes - es enthält Polysaccharide wie Acemannan, dazu Aminosäuren, Enzyme und Mineralstoffe. Der Latex (Aloin) sitzt direkt unter der Blattrinde, wirkt stark abführend und steht bei dauerhafter Einnahme im Verdacht, der Darmschleimhaut zu schaden. Hochwertige Trinkprodukte werden deshalb aus geschältem Blattgel hergestellt und sind praktisch aloinfrei - darauf sollte man beim Kauf ausdrücklich achten.
Anwendung auf der Haut
Am besten untersucht ist die äußerliche Anwendung. Mehrere kleinere klinische Studien deuten darauf hin, dass Aloe-Vera-Gel die Abheilung leichter Verbrennungen und Sonnenbrand unterstützen und die Haut mit Feuchtigkeit versorgen kann. Die Studienqualität ist gemischt, die Anwendung gilt aber als sicher und gut verträglich - ein Grund, warum das Gel fester Bestandteil vieler After-Sun-Produkte ist.
Das Blattgel der Aloe besteht zu über 98 Prozent aus Wasser. Die verbleibenden zwei Prozent enthalten mehr als 75 verschiedene aktive Inhaltsstoffe - von Vitaminen über Enzyme bis zu langkettigen Zuckermolekülen wie Acemannan.
Aloe Vera zum Trinken
Aloe-Vera-Saft aus dem reinen Blattgel wird traditionell zur Unterstützung von Verdauung und Wohlbefinden getrunken. Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist noch begrenzt: Kleinere Studien untersuchen Effekte auf Verdauungsbeschwerden und den Blutzuckerstoffwechsel, größere bestätigende Studien stehen aber aus. Wer Wert auf eine gesunde Verdauung legt, findet in unserer Kategorie Verdauung & Darm weitere darmfreundliche Nährstoffe.
Interessant ist Aloe Vera auch in Kombination mit Vitamin C, das zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut beiträgt - mehr dazu in unserem Vitamin-C-Ratgeber.
Worauf du bei Aloe-Produkten achten solltest
Aloinfrei: Trinkgele und Säfte sollten aus geschältem Blattgel bestehen (aloinarm bzw. aloinfrei deklariert).
Hoher Gel-Anteil: Gute Direktsäfte enthalten 99 Prozent Aloe oder mehr, ohne Zuckerzusatz.
Zertifizierte Qualität: Das IASC-Siegel des International Aloe Science Council kennzeichnet geprüfte Rohstoffe.
Aloe-Latex (Aloin) sollte nicht als Dauer-Abführmittel verwendet werden. Schwangere, Stillende und Menschen mit chronischen Darmerkrankungen sollten vor der Einnahme von Aloe-Produkten ärztlichen Rat einholen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Aloe Vera ist äußerlich angewendet ein bewährter, gut verträglicher Feuchtigkeitsspender mit Hinweisen auf hautberuhigende Effekte. Beim Trinkgel zählt vor allem die Qualität: geschältes, aloinfreies Blattgel ohne Zusätze. Für weitergehende gesundheitliche Versprechen ist die Studienlage derzeit zu dünn - hier ist gesunde Skepsis angebracht.
Quellen
1. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH): Aloe Vera - Usefulness and Safety.
2. Surjushe A, Vasani R, Saple DG: Aloe vera - a short review. Indian Journal of Dermatology, 2008.
3. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Stellungnahmen zu Aloe-haltigen Lebensmitteln.