Knoblauch: Wirkung auf Herz, Gefäße und Immunsystem

Knoblauch wird seit Jahrtausenden als Würz- und Heilpflanze genutzt - und gehört heute zu den am besten untersuchten Lebensmitteln überhaupt. Verantwortlich für seine charakteristischen Eigenschaften sind Schwefelverbindungen, allen voran das Allicin, das beim Zerkleinern der Zehe entsteht. Was sagt die Forschung zu Blutdruck, Cholesterin und Erkältungen wirklich?
Was steckt im Knoblauch?
Beim Schneiden oder Pressen einer Knoblauchzehe wandelt das Enzym Alliinase die geruchlose Vorstufe Alliin in Allicin um. Allicin ist instabil und zerfällt weiter in verschiedene schwefelhaltige Verbindungen, denen in Labor- und Humanstudien antioxidative und gefäßaktive Eigenschaften zugeschrieben werden. Daneben liefert Knoblauch Mangan, Vitamin B6 und Vitamin C - in den üblichen Verzehrmengen allerdings nur in kleinen Beiträgen.
Knoblauch und Blutdruck
Am besten untersucht ist der Einfluss auf den Blutdruck. Mehrere Meta-Analysen randomisierter Studien kommen zu dem Ergebnis, dass standardisierte Knoblauchpräparate bei Menschen mit erhöhtem Blutdruck den systolischen Wert im Mittel um etwa 8 bis 10 mmHg senken können - bei normalem Ausgangsblutdruck zeigt sich dagegen kaum ein Effekt.
Eine Meta-Analyse von Ried (Journal of Nutrition, 2016) wertete 20 randomisierte Studien aus: Bei Hypertonikern sank der systolische Blutdruck unter Knoblauchpräparaten im Schnitt um 8,7 mmHg gegenüber Placebo.
Wichtig zur Einordnung: Knoblauch ist kein Ersatz für eine ärztlich verordnete Blutdrucktherapie, sondern allenfalls eine ergänzende Maßnahme im Rahmen eines gesunden Lebensstils. Weitere Produkte rund um Herz und Gefäße findest du in der Kategorie Herz & Kreislauf.
Cholesterin und Gefäße
Auch zu Blutfetten gibt es zahlreiche Studien. Sie deuten auf eine moderate Senkung des Gesamt- und LDL-Cholesterins hin, wenn Knoblauchpräparate über mindestens acht Wochen eingenommen werden. Die Effekte sind kleiner als die von Medikamenten, können aber im Rahmen einer herzgesunden Ernährung einen Beitrag leisten.
Hilft Knoblauch bei Erkältungen?
Hier ist die Studienlage dünner, als es der Volksmund vermuten lässt. Ein Cochrane-Review fand nur eine einzige verwertbare randomisierte Studie - in dieser traten unter täglicher Knoblauch-Einnahme über zwölf Wochen zwar deutlich weniger Erkältungen auf, die Autoren stufen die Evidenz aber als unzureichend ein, um eine klare Empfehlung auszusprechen.
Roh, gekocht oder als Kapsel?
Beim Kochen wird die Alliinase schnell inaktiviert, wodurch deutlich weniger Allicin entsteht. Wer die typischen Schwefelverbindungen aufnehmen möchte, sollte Knoblauch deshalb roh verwenden - oder zerkleinert zehn Minuten ruhen lassen, bevor er in die Pfanne kommt.
Wer den Geruch scheut oder Knoblauch schlecht verträgt, kann auf geruchsreduzierte Knoblauchöl-Kapseln ausweichen. Sie liefern die schwefelhaltigen Verbindungen in standardisierter Form - ohne dass die Umgebung etwas davon mitbekommt.
Knoblauchpräparate können die Wirkung blutverdünnender Medikamente verstärken. Wer Antikoagulanzien einnimmt oder vor einer Operation steht, sollte die Einnahme ärztlich abklären. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Knoblauch ist mehr als ein Küchengewürz: Für eine moderate Blutdrucksenkung bei Hypertonikern und günstige Effekte auf die Blutfette gibt es belastbare Hinweise aus randomisierten Studien. Wunder sollte man keine erwarten - als Baustein einer herzgesunden Lebensweise hat die Knolle ihren Platz aber verdient.
Quellen
1. Ried K: Garlic lowers blood pressure in hypertensive individuals - meta-analysis. The Journal of Nutrition, 2016.
2. Lissiman E, Bhasale AL, Cohen M: Garlic for the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2014.
3. National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH): Garlic - Usefulness and Safety.